HWS Aist arbeitet an Schutz vor 100-jährlichem Hochwasser

Bis zum Sommer hat sich der Hochwasserschutzverband Aist viel vorgenommen. In den kommenden Monaten soll in Zusammenarbeit mit Experten sowie Bürgerinnen und Bürgern ein Gesamtkonzept für den Hochwasserschutz entlang der Aist, der Waldaist, der Feldaist und deren Zuflüssen entwickelt werden. Ziel dabei ist es, einen möglichst gut funktionierenden Mix aus ineinandergreifenden Maßnahmen festzulegen, der mit geringstmöglichen Eingriffen die gewünschte Wirkung eines Schutzes bei 100-jährlichem Hochwasser erzielt.

Beispiele für mögliche Maßnahmen sind die Schaffung von Ausdehnungsbereichen für den Fluss an Orten, wo dies möglich ist, der Objektschutz für einzelne Gebäude, sowie Rückhaltebecken und Schutzdämme an geeigneten Standorten. Ein weiterer wesentlicher Baustein im Hochwasserschutz ist eine hochwassersensible Raumplanung seitens der Gemeinden.

Bei der Maßnahmenentwicklung und -auswahl müssen sowohl die Schutzbedürfnisse der Menschen als auch die Interessen der Anrainer und die Sensibilität des Naturraums berücksichtigt werden. Um das gewährleisten zu können, haben bereits umfangreiche Vorarbeiten stattgefunden:
Im Herbst wurden die Anrainer der Aist um Informationen und Anregungen gebeten. Eingebracht wurden dabei an drei Bürgerabenden viele Informationen über Problemstellen entlang der Aist und ihrer Zuflüsse sowie einige konkrete Ideen und Verbesserungsvorschläge, beispielsweise zur Kommunikation. Wichtige fachliche Grundlagen sind durch DI Mayr vom Ziviltechnikerbüro Thürriedl & Mayr erarbeitet worden. Die von ihm durchgeführte hydrologische Bearbeitung hatte das Ziel, die bei einem 30-jährlichen und bei einem 100-jährlichen Hochwasser gefährdeten Gebiete und Gebäude auszumachen. Dabei wurden sogenannte „Risikokarten" erstellt, die sowohl die Wahrscheinlichkeit einer Überschwemmung als auch die zu erwartende Schadenshöhe berücksichtigen.

DI Mayr wird maßgeblich auch bei der Maßnahmenentwicklung beteiligt sein. Insbesondere, wenn es darum geht, die Wirksamkeit möglicher Schutzmaßnahmen einzuschätzen.

Im März haben die Delegierten der 27 Mitgliedsgemeinden in der Vollversammlung des Hochwasserschutzverbandes Aist den kooperativen Weg zur Maßnahmenentwicklung erneut bekräftigt. Unter der Moderation durch das Institut Retzl werden Fachleute, Gemeindevertreter sowie die Bürgerinnen und Bürger der Region gemeinsam ihren Hochwasserschutz entwickeln. Die weiteren Schritte auf dem Weg zu einem Gesamtkonzept für den Hochwasserschutz an der Aist sind wie folgt vorgesehen:

Im April 2014 findet eine Klausur unter Beteiligung von Univ.-Prof. Habersack (Universität für Bodenkultur Wien), DI Mayr und Vertretern der Region statt, bei der über die konkreten Maßnahmen und ihr Zusammenwirken beraten werden soll.

Im Mai wird es Informationsveranstaltungen für die Gemeinden und Anrainer in den drei Regionen geben. Die als sinnvoll erachteten Maßnahmen sollen dabei den Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt werden. In weiterer Folge sind projektbezogene Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung vorgesehen.

Warum ist ein allumfassender Hochwasserschutz nicht möglich?

 

Angesichts eines Hochwasserereignisses wie 2002 ist der Wunsch nach einem umfassenden Schutz vor Hochwasser mehr als nachvollziehbar. Ein Schutz, der jedes denkbare Risiko vollständig beseitigt, ist allerdings nicht möglich. Hochwasser ist ein natürliches Phänomen, das sich nicht verhindern lässt. Allerdings kann durch menschliche Tätigkeit die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Hochwasserereignissen sowie die Schwere der Auswirkungen erhöht oder gesenkt werden.

Es ist also durchaus möglich, das Hochwasserrisiko zu reduzieren und die drohenden Schäden in überschaubarem Rahmen zu halten. Dazu ist ein umfassendes Maßnahmenkonzept und nicht zuletzt eine entsprechende Einsicht und Anpassungsbereitschaft der Menschen in der Region entscheidend. Konkretes Schutzziel für den HWS Aist ist dabei das 100-jährliche Hochwasser, da es bis zu dieser Größenordnung Fördermöglichkeiten gibt.