Das Zötlzimmer und die OÖ Landeshymne

Exakt 100 Jahre hat die Familie Zötl im Färberhaus in Gutau das Färbergewerbe ausgeübt. Im Jahr 1868 kaufte Josef Zötl (geb. 1836) das Färberhaus und nach ihm waren noch zwei Generationen in dem Haus tätig. Seine Tochter Clothilde war die erste geprüfte Färbermeisterin Österreichs und seine Enkeln, Frau Margarete Krennbauer, war die letzte Färbermeisterin, heute ist die Blaufärberei kein Lehrberuf mehr. 1968 ging Frau Krennbauer (eine geborene Zötl) in den Ruhestand und der Färberbetrieb wurde geschlossen. Einige Jahre später inszenierte der spätere Besitzer des Färberhauses, Herr Walter Pöll, mit Hilfe der Wirtschaftskamm Oberösterreichs, dass in dem denkmalgeschützten Haus das heutige Färbermuseum eingerichtet wurde.

An die Zötl-Familie erinnert im Erdgeschoß des Färbermuseums das "Zötlzimmer". Neben persönlichen Gegenständen der Färberfamilie kann man aus dem Stammbaum die Geschichte der Zötl-Familie verfolgen. Neben den Färbern wird auch über Aloys Zötl, dem einzigen wahren "Surrealisten Österreichs" und über Dr. Hans Zötl, dem Initiator unserer OÖ Landeshymne "Hoamatgsang" informiert. 

 

Die Entstehung unserer OÖ Landeshymne

1884 vertonte Hans Schnopfhagen das Stelzhamergedicht "Da gehát Schuastá". Dr. Hans Zötl war von der Melodie begeistert, schlug aber als Text sein Lieblingsgedicht von Stelzhamer, den "Hoamatsang" vor. Hans Schnopfhagen war einverstanden, strich den ursprünglichen Text, schrieb die Strophen von "Hoamatgsang" unter die Melodie und widmete das Notenblatt seinem Freund Dr. Hans Zötl.

Das Lied erfreute sich rasch großer Beliebtheit, wurde von Liedertafeln gesungen und wurde bei Heimatabenden gern aufgeführt. Bei der Eröffnung der Volksschule Kirchschlag 1885 wurde das Lied vom Volksschulchor St. Veit unter der Leitung von Hans Schnopfhagen erstmals zu einem offiziellen Anlass vorgetragen.

Anlässlich des 150. Geburtstages von Franz Stelzhamer beschloss der oberösterreichische Landtag - am 28. November 1952 - unter Landeshauptmann Dr. Heinrich Gleißner, die erste, zweite und letzte Strophe zur Landeshymne von Oberösterreich zu erheben.

Das Originalnotenblatt schenkte Dr. Hans Zötl kurz vor seinem Tode seiner Enkelin Elisabeth Hueber, die es 2006 Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer übergab und das jetzt im OÖ Landesarchiv verwahrt wird.

 

 

Dr. Hans Zötl (1846-1938)

Hans Zötl wurde 1846 in Schärding geboren, besuchte das Staatsgymnasium in Linz, studierte anschließend Jus und promovierte 1872.
In seiner Zeit als Bezirksrichter in Leonfelden befreundete er sich mit Hans Schnopfhaben aus Oberneukirchen. Ab 1895 war er Richter in Eferding.
Dr. Hans Zötl war Gründer des Stelzhamerbundes, auch die Renovierung des Geburtshauses von Franz Stelzhamer in Großpiesenham in Pramet geht auf ihn zurück. Als Richter regte er auf dem Gebiet der Kinder-, Jugend- und Waisenfürsorge notwendige sonziale Reformen an.
Nach der Pensionierung widmete er sich voll und ganz dem Stelzhamerbund. Deutschnationales Gedankengut bestimmte seine Weltanschauung, die sich auch in seinen Publikationen niederschlägt. Er verstarb am Weihnachtstag 1938 in Eferding, dort ist er auch begraben.

 

 

Hans Schnopfhagen (1845 - 1908)

Hans Schnopfhagen wurde am 17. Jänner 1845 als erstes von insgesamt zwölf Kinder des Oberneukirchner Lederermeisters Johann Schnopfhagen geboren. Nach der Volksschule besuchte er die Unterrealschule in Waidhofern/Ybbs.
Vom Oberneukirchner Lehrer Simon Rauch wurde Schnopfhagen in Gesang, Orgel-, Geigen-, Klarinetten- und Flötenspiel unterrichtet. 1862 legte er unter dem Vorsitz des Landesschuldirektors Adabert Stifter die Schlussprüfung seiner Ausbildung zum Lehrer ab.
Nach einer Anstellung in Niederwaldkirchen war er als Hilfslhrer in Leonfelden, wo er den Bezirksrichter Dr. Hans Zötl kennenlernte. An der dreiklassigen Volksschule in St. Veit wirkte er 36 Jahre bis zu seinem Tod. Im Jahr 1872 heiratete er in Oberneukirchen Franziska Walchshofer, er war Vater von elf Kindern.

 

 

Franz Stelzhamer (1802-1874)

Der Dichter Franz Stelzhamer wurde 1802 in Großpiesenham bei Pramet geboren. Er sollte Pfarrer werden und kam ins Gymnasium St. Peter in Salzburg, welches er vorzeitig verlies. Graz, Salzburg und Wien waren Aufenthaltsorte des erfolglosen Studenten. Mit seinen ersten Mundargedichten erntete er aber Anerkennung und er bekam eine Anstellung als Schauspieler in Passau.
Die Gedichtbände "Lieder in obderenns´scher Volksmundart" sind gut angekommen und Lesereisen von Wien bis München steigerten seine Popularität. Er lebte in verschiedenen Städten und verkehrte in Künstlerkreisen in Wien, während seine Familie Zuhause in sehr armen und bescheidenen Verhältnissen lebte. Gestorben und begraben ist er in Henndorf in Salzburg.

Allweil
kreuzlusti
und trauri
gar nia.
I steh da wia der Kerschbam
in ewiga Blüah.