Geschichten, Sprüche und Anekdoten über die Blaufärberei

"BLAUMACHEN" der "BLAUE MONTAG"

Die aufwändigste Arbeit des Blaufärbers war das Bedrucken der Textilien, das war auch die Meisterarbeit. Daher würde ganze Woche über mit "Modeln" auf die Stoffe der "Papp" (ein farbabweisendes Abdeckmittel) aufgebracht. Der Papp müsste dann ausreichend trocknen (versteinern) und anschließend wurde dann jeweils am Montag im Indigobottich (Küpe) gefärbt. Die Stoffe wurden kurz in das Indogobad getaucht und anschließend an der Luft gehängt. Erst durch den Sauerstoff der Luft und dem Oxydationsvorgang kam es zum Farbumschlag und es entstand der blaue Farbton. Diese Tätigkeit musste mehrmals wiederholt werden. Während die Textilien in der Luft hingen um Sauerstoff zu tanken, konnte der Färbermeister nicht mehr dazu beitragen. Er nützte diese Zeit für sich und ging gerne kurz ins Gasthaus um ein Bier zu trinken. Die Bauern und Bürger fragten ihn: "Färbermeister - arbeitest du heute nicht?" Der Färbermeister gab zur Antwort: "Ich mache heute BLAU" ich habe heute den "BLAUEN MONTAG".

"GRÜN und BLAU" schlagen

Wenn man die Textilien aus der Küppe (dem blauen Indigobad) gezogen hat, waren sie sonderbarerweise nicht blau - wie man vermuten würde - sondern Gelb. Erst durch die Berührung mit dem Sauerstoff der Luft und dem anschließenden Oxydationsvorgang wurde der Stoff langsam Grün und nach einigen Minuten Blau. Man beschleunigte den Oxydationsvorgang, indem man mit Stöcken auf die Stoffe schlug, damit sie gut belüftet wurden. Man schlug solange auf die Textilien, bis sie "Grün und Blau" wurden.

Jemand in "DIE MANGEL NEHMEN"

Um das grobe, kratzige Rohleinen glänzend, weich und anschmiegend zu machen, mußte man es Mangeln. Das Rohleinen wurde benetzt und anschließend auf Holzrollen aufgerollt (aufgebäumt). Die mit Leinen umwickelten Holzrollen legte man danach unter die Mangel. Die Mängel im Färbermseum Gutau ist ein 6 Meter langer Holzkasten, der mit 12 Tonnen Alteisen und Granitsteinen gefüllt ist. Mit einem Göpelantrieb wurde die Mangel über die Holzrollen hin und her bewegt. Durch das große  Gewicht (12 Tonnen) wurden die einzelnen Fasern des Leinens so stark zerdrückt und gequetscht, dass sie glänzend, weich und geschmeidig wurden.

Ein "BLAUES WUNDER ERLEBEN"

Gerne besuchten Bürger und Bauern den Gutauer Färbermeister im Färberhaus um ihm bei seiner Arbeit zuzusehen. Die Färbermeister waren gefragte Gesprächspartner, wußten sie doch durch ihre Lebenserfahrung, die sie in der Zeit ihrer langen Wanderschaft gemacht haben, viel aus der Welt zu erzählen. So brachte etwa den Gutauer Färbermeister Josef Zötl - geboren 1806 - seine Wanderschaft bis London. Sein Sohn Josef Zötl - geboren 1836 - kam bis Arad im heutigen Rumänien. Gerne übertrieben sie ein wenig bei den Erzählungen ihrer Erlebnisse und das brachte ihnen den Ruf ein, Hexer und Zauberer zu sein. Unterstützt wurde dieser Mythos vor allem auch dadurch, dass sich beim Färben mit Indigo-Farbstoff die Farbe von "Gelb" auf "Grün" und anschließend auf "Blau" ändert. Wenn die Bauern diesen Farbumschlag beobachteten, sprachen sie von einem Wunder, sie konnten "ein BLAUES WUNDER" erleben.

"UMMODELN"

Die für den Aufdruck des "Papps" (farbabweisendes Mittel) benötigten Druckstempel (Modeln) wurden oft von den Färbern selbst hergestellt, es gibt aber auch eine eigene Zunft, die sich mit der Erzeugung von Modeln beschäftigt. Den Beruf nennt man "Formstecher" oder auch "Modelstecher". Heute gibt es in Europa nur mehr ganz wenige Künstler, die diese Handwerk ausüben. Einer davon ist Hans Joachim Frindte aus Mühlhausen in Thüringen, der jedes Jahr mit seinen begehrten Modeln zum Färbermarkt nach Gutau kommt. In dreifach verleimtes Birnenholz wurden ursprünglich Reliefs geschnitten, später mit Messingstiften ergänzt und mit Schellack konserviert. Im 19. Jahrhundert wurden nur mehr Modeln mit Messingstiften und Messingplättchen gefertigt und an die Blaufärber verkauft. Sehr deutlich kann man auch Modeströmungen aus den Mustern erkennen. Es gab Zeiten, in denen eher geometrische Muster modern waren, dann wieder findet man viele pflanzliche Motive, regional verschieden. Wenn ein Blaufärber mit der Mode ging und ansprechende Muster anbieten konnt, war er wirtschaftlich erfolgreicher als die Konkurrenz, nicht anders als in der heutigen Zeit. Wenn einem Färber ein Muster nicht mehr gefallen hat, dann hat er die Messingstifte herausgezogen und an einer anderen Stelle eingeschlagen, er hat den Druckstempel "UMGEMODELT".